Unser Hof

Babynahrung

Die Milch für den Haushalt kaufen wir wie alle bei Pia im Dorfladen pasteurisiert in der Plasticflasche. Nicht, dass uns die Milch unserer Kühe nicht schmeckt. Im Gegenteil. Aber sie gehört unseren Kälbern. Sie trinken sie bis auf den letzten Topfen direkt von den Eutern der Mütter. Das Gras der Alpweiden da oben an der Quelle der Sihl ist mit wilden Kräutern gewürzt. Das gibt genau die Milch, die Mutter Natur ihren Babies zum Wachsen verschreibt.

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Landliebe

Im Sommer sind die Wiesen da oben auf unserem Maiensäss im Windbruch ein Blütenmeer. Für unsere Kühe ist es das tägliche Brot, das sie sich quasi aus handverlesenen Ingredienzen bereiten: Thymian und Majoran, und was sonst noch alles da oben so wunderbar duftet. Wenn wir käsen und buttern würden, gäbe es Kräuterbutter und Kräuterkäse. Ohne Witz. Und ohne Zutaten. Doch weil wir das nicht tun, haben wir und unsere Kunden die saft- und kraftstrotzenden Tiere so gern.

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Horn auf

Unsere Kühe sind friedliche Tiere. Aber wer sie nicht respektiert, den können sie auf die Hörner nehmen. Uns hat noch nie eine auch nur ein Härchen gekrümmt. Warum sollte sie auch. Wir lassen ihnen ihre Milch und ihre Kälber, und wir lassen ihnen auch ihre Hörner. Der Natur ins Handwerk zu pfuschen hat noch selten viel Gutes gebracht. Ach, wie gerne hätten auch wir gelegentlich Hörner, um uns, wenns juckt, am Rücken zu kratzen.

Übrigens: Die Hörner seien zum Kämpfen da, sagt man. Aber mehr noch für ein Wort von Kuh zu Kuh. Ein Dreh mit dem Kopf reicht aus, um eine Rivalin zu warnen: „Abstand halten!“ In gegenseitigem Respekt können einzelne Mütter mit andern sogar Freundschaften schliessen. Sie lecken einander, legen sich Kopf an Kopf nebeneinander – und zum Glück gibts da auch noch Prinz.

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Unser Prinz

K&M Prinz, wie er offiziell heisst, stammt aus edlem Geblüt. Die Züchter Klaus und Margrit Odermatt von und zu Einsiedeln sind wie wir mit Leib und Seele da für ihr Vieh. In seinem Harem von rund zwanzig Kühen ist fast jeden Tag eine stierig. Bei uns am Sihlsprung gilt, wie einst am Ursprung der Viehzucht: Natursprung. In nicht manchem Menschenleben decken sich Pflicht und Neigung so perfekt wie bei unserem Prinz. Das ist das eine. Das andere ist seine natürliche Gabe, für Ruhe und Ordnung zu sorgen im Stall. Welche seiner Prinzessinnen will ihm schon seinen Rang streitig machen. Da haben schliesslich auch wir Respekt. Zum Glück schaut er uns kaum je aus schräg gesenktem Kopf  schief an. Er lässt sich sanft am Halfter führen, und den Nasenring trägt er eher zu Zierde, so wie Menschen Ohrringe tragen. Lang lebe unser Prinz. IMG_0085

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Familienfreuden

Roma, unsere Älteste, ist soeben zwanzig geworden. Sie wird ja nicht mehr trächtig. Meinten wir – und liessen sie da oben im Windbruch noch einen Sommer den Ruhestand geniessen. Dafür hat sie sich mit einer schönen Überraschung bedankt. Eines Morgens lag ein frisch abgenabeltes Kalb neben ihr: Gesund und kräftig, wie alle ihre früheren fünfzehn Kinder. Das ist wie eh und je: Der Nachwuchs sichert die Zukunft.

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Einbürgerung

Wir Schweizer von heute sind ja ein gemischtes Völklein geworden. Genau wie unsere Herde. Da gibt es Schweizer Braunvieh und Bündner Grauvieh (Specie Rara). Unser Prinz, ein Limousin, hat sich, wie der Name sagt, aus Frankreich niedergelassen. Die Hochlandrinder aus Schottland schliesslich haben unübersehbar einen Migrationshintergrund. Erstaunlich eigentlich, wie gut sich diese Minderheiten in die Herde integrieren. Prinz hat jedenfalls wegen ihrer Herkunft noch keine seiner Partnerinnen diskriminiert.

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Sommermorgen

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Hören Sie die Glocken im Obersihl oben? Das beginnt schon morgens um fünf. Beim Musik machen vergehen auch für die Kühe die Tage so schön, dass sie kaum mehr ins Tal hinab wollen. Klar. Der Weidegang entspricht ihrer Natur. Einmal musste Camilla wegen einem bösen Fuss mit dem Helikopter der Rega zu Tal. Sie hats mit links weggesteckt. Kein Wunder, so fit wie sie war, nach achtwöchigem Höhentraining.

 

Selbstversorger

Ob unsere Tiere immer genug zu Fressen bekommen? Aber sicher: Im Sommer holen Sie sich risch von den Wiesen und Weiden, was ihnen schmeckt. Vor und nach der Sömmerung bestimmen die Futtervorräte, die wir auf unserem Land erzeugen, die Zahl unserer Tiere –  nicht umgekehrt. Das heisst, wir halten immer nur so viele Tiere, wie sie sich vom eigenen Gras, dem eigenen Heu und dem eigenen Silofutter satt fressen können. Fast könnten sie einem leid tun, dass sie nicht wissen, wie Kraftfutter aus Kartoffeln, Maniok, Raps und Sonnenblumenöl schmeckt.

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Silage

Eine erwachsene Kuh frisst die gesamte Ernte von über einer Hektar Wies- und Weidland  im Jahr. Weit über die Hälfte der Menge lagern wir für den Winter im Sihltalerhof. Das braucht Platz. Die Abwechslung von ein Drittel Heu und zwei Drittel Silofutter ist gut und gibt gute Laune, finden unsere Kühe. Das hat auch für uns etwas Gutes. Die Silage spart uns Platz auf dem Heustock, und obendrein ist es handlich. Kaum ein Risiko, dass der Regen das Rezept verdirbt. Bloss eine Nacht lang lassen wir die gemähten Halme auf den Matten liegen, damit unser Freund und Helfer, der Fuchs, die toten Mäuse wegputzt. Jede Nacht spielt er Aschenputtel: Die schlechten ins Kröpfchen.

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Flachsilo

Bei uns auf dem Sihltalerhof gärt die Silage im Freien. Für die Zubereitung unseres „Flachsilos“ beauftragen wir den regionalen „Maschinenring“ mit ihren Geräten und Fahrern. Der Traktor walzt die Ernte so platt, dass kaum mehr Zwischenraum für Sauerstoff bleibt. Danach bleiben die Vorräte unter einer Folie frisch und saftig bis in den Frühling. Dem süsslichen Duft des „Eingemachten“ aus Kräutern und Gras können auch wir kaum widerstehen. Eigentlich müssten uns unsere Kühe als ihre Haubenköche beklatschen.

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So ein Mist

Auf dem Sihltalerhof, wo die Grösse der Herde mit der Grösse der Weiden im Gleichgewicht ist, sorgt der Mist für einen geschlossenen Kreislauf. Was unsere Tiere im Stall als „Abfallprodukt“ hinter sich lassen, ist unser wertvollster Rohstoff. Genau soviel Dünger brauchts, damit unser Land im nächsten Jahr wieder die nötige Menge Futter hergibt. Können wir unser Land nachhaltiger bewirtschaften, als so, wie es die Natur seit Millionen von Jahren macht? Mit einem perfekten Recycling.

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Am Ursprung der Sesshaftigkeit

Ziegen, Schafe, Pferde oder Kamele fressen die Weiden kahl bis zur Unfruchtbarkeit. Ihr Kot laugt die Erde aus. Sie müssen immer weiter wandern. Bei Kühen ist das anders. Es gibt keinen besseren Dünger für das Land, von dem sie fressen, als ihren eigenen Mist. So sagen wir auch auf dem Sihltalerhof: Auf dem Mist unserer Kühe ist unsere Kultur gewachsen: Die Kultur der Sesshaftigkeit. Oder haben Sie schon je nomadisierende Kühe gesehen?

Geburtstag

Auch diesen Sommer gab es zu feiern. Acht Kälber kamen auf unseren Alpen zur Welt: im Obersihl, im Untersihl und im Windbruch innert wenigen Wochen. Natürlich lieben die Mütter ihre Kälber. Aus Mutterliebe lecken sie ihnen das Fell, und weinen, wenn sie eines verlieren. Dass sie für ihre Babies zu kämpfen wissen, weiss bald jeder Wanderer, der auf der Alp in eine Herde mit Mutterkühen gerät. Also: Vorsicht Kinder, Abstand halten.

Gipfelkonferenz

„Wer braucht etwas von Einsiedeln unten?“, fragt Maya beim Morgenschwatz auf der Alp Untersihl: „Kaffee, Spaghetti…?“ Mit unserer Älplerin Alice zusammen hütet sie hier oben auf der Alp der Oberallmeindkorporation Schwyz knapp hundert Stück Vieh von vier Bauernhöfen. Selbstver-ständlich bringt Maya von unten auch für uns mit, was wir brauchen. „Eine Beisszange vielleicht, um die Agraffen aus den Zaunpfählen zu ziehen“, sagt Paul, unser Nachbar. Aber erst gibts  Kaffee für alle. Wer will ihn mit, wer ohne Schnaps?

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Viehfreuden

Kein Tag vergeht wie der andere: Seit langem war die Herde heute Nacht wieder einmal beim Chrähloch hinten. Grazia hat Zwillinge geboren. Klar kennt jeder seine Tiere beim Namen und zählt sie am Morgen. Viola fehlt noch, und Clemente ist ganz alleine auf der Krete dort oben. Die Einzelgängerin. Und dann muss Paul dem Sepp telefonieren. Seine Clarissa hat ein böses Bein. Wer meint, eine Alp sei ein Ferienheim, darf herzlich gern ein paar Tage zum Rechten sehen. – Ferien haben bloss die Tiere. Während sie oben sind, wächst unten im Tal das Gras für die Wintervorräte.

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Herr Doktor

Der Mann mit dem Köfferchen ist bei uns im Sihltalerhof ein seltener Gast. Mit Homöopathie und Achtsamkeit gehen wir unseren eigenen Weg. Globuli fürs Vieh? Wir staunen selber. Chügeli aus der Stallapotheke haben schon manches verhindert und manche Geburt zum Guten geführt. Der Rest ist Handarbeit: Mal eine Wunde mit Spray verkleben, die Klauen schleifen… und noch ein Tipp auch für Menschen: Bei fast jeder Verletzung wirkt Arnika Wunder. Und zur Vorsorge haben wir unter anderem unsere Bürstenwaschanlage. Saubere Tiere sind gesundere Tiere.

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Wintersport

Im Winter ist Studen ein Langlaufparadies. Mit den Unterländern um die Wette zu laufen, käme unseren Tieren im Traum nicht in den Sinn. In unseren Laufställen und draussen beim Auslauf im Schnee haben sie reichlich Bewegung – und Zeit, das Heu und die Silage des vergangenen Sommers wieder und wieder zu kauen, und sich über die Sportler draussen auf ihren Latten zu wundern. Haben ihnen unsere Kühe nicht die Kunst des Savoir Vivre voraus?

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Golf

Hinten im Tal hat es einen Golfplatz. Wenn die Damen und Herren ihren Parcours über alle achtzehn Loch hinter sich haben, lassen sie gerne im Clubhaus die Seele baumeln. Unsere Kühe schütteln da nur ihre Glocken. Mit dem Weg hinauf auf die Alp ist so ein Parcours nicht zu vergleichen. Fünfhundertzwanzig Höhenmeter und zweihundertzwanzig Holzträmel-Treppentritte liegen zwischen dem Hof und dem Untersihl. Unsere Kühe machen das barfuss. Treiben muss man sie kaum. Sie freuen sich oben auf das Wasser vom moos’gen Stein. Meinen es müsste Champagner sein.

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Generalunternehmer

Schön wärs, wenn wir Bauern nur unsere Kühe hätten. Aber es ist noch viel schöner. Natürlich haben wir auch im Sihltalerhof einen Hund, eine Katze und ein paar Hühner – dazu einen waschechten Bauerngarten mit üppig blühenden Blumen und mit Gemüse, das uns manche Mahlzeit hergibt. Ja, im Sommer bewirtet Barbara oft ein ganzes Grüppchen von Helfern, ohne die wir im Sommer nie fertig würden. Und was noch? Hof und Hab wollen gewischt und gefegt sein. Die Ställe und Scheunen bleiben auch nicht von alleine allwettertauglich. Oben auf den Alpen heisst es immer wieder „hagen“: Zäune setzen, damit das Vieh so weidet, dass das Gras lange reicht und die Nachbarn zufrieden sind. Nicht zuletzt ist Landwirtschaft auch Landschaftspflege. Wir und unsere Tiere sind es, die den Städtern die Wiesen und Weiden so sonntäglich sauber vor die Wanderfüsse legen.

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5 comments

  1. Hanni Huber Sonnseite 371 3864 Guttannen sagt:

    Liebe Wendelins
    sooo eine wunderbare Seite —-es lässt sich lesen wie ein Roman !!! Res hat den Link geschickt und erzählt immer wieder von der Alp und der schönen Zeit bei euch .Herzliche Grüsse Hanni und Ulrich Huber.

    • Barbara Fässler sagt:

      Liebes Hanni und Ueli,
      Ganz herzlichen Dank dass ihr uns geschrieben habt. Leider war für uns dieser Briefkasten lange verschlüsselt. Und dann haben wir diesen digitalen Briefkasten vernachlässigt.
      Jedenfalls ist es inzwischen auch hier Herbst geworden. Alle Tiere sind wieder munter vom Sihl runtergekommen. Es ist so, auch der schönste Sommer geht rasch vorbei.
      In Gedanken sind wir ab und zu in Guttannen, mal erzählt Res etwas, ab und zu die Alice. sicher ist, dass uns eure Gegend sehr gut gefallen hat.
      Ich hoffe, ihr habt auch gut gealpt und seid wohlauf.
      Herzlich grüssen Wendel und Barbara

  2. Markus sagt:

    Tolli WEB Siitä wordä!

    Gratulation

  3. Anja und Roland sagt:

    Liebe Barbara und lieber Wendelin – wir haben uns gefreut, euch heute kennenzulernen. Manchmal ist es einfach so, dass sich Wege kreuzen und eine schöne Begegnung entsteht. Eben haben wir eure Homepage angeschaut und sind begeistert! So viele schöne Eindrücke – in Bildern und in Worten! WUNDERSCHÖN !!!!
    Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt auf ein Wiedersehen und wünschen euch eine gute Zeit!
    Roland und Anja

  4. Marco Hold & Brigitte Betschart Hold sagt:

    Hallo Wendel und Barbara,

    das ist wirklich eine tolle und informative Webseite.

    Herzliche Gratulation

    Gruss von nebenan an der Ochsenbodenstrasse